Koloman Moser

Anonym, Porträtfotografie Koloman Moser, um 1903 © MAK
Koloman Moser, Frommes Kalender, 1899 © MAK
Koloman Moser, Plakat für die XIII. Secessionsausstellung, 1902 © MAK
Gustav Klimt, Allegorie der Skulptur, 1889 © MAK/Georg Mayer
Koloman Moser, Entwurf für das Südfenster der Kirche St. Leopold am Steinhof, 1905/06 © MAK/Georg Mayer
Koloman Moser, Stoffmuster Palmenblatt, 1898 Ausführung: Joh. Backhausen & Söhne © MAK/Katrin Wißkirchen
Koloman Moser, Paravent, 1906 Ausführung: Karl Beitel, Therese Trethan © MAK/Georg Mayer
Koloman Moser, Likörglas, um 1900 © MAK/Kristina Wissik
Koloman Moser, Prunkkassette, 1906 Ausführung: Wiener Werkstätte (Adolf Erbich, Eugen Pflaumer, Karl Ponocny, Therese Trethan) © MAK/Georg Mayer
Koloman Moser, Deckelpokal, 1905 Ausführung: Wiener Werkstätte (Adolf Erbrich) © MAK/Katrin Wißkirchen
Koloman Moser, Vase, um 1900 © MAK/Kristina Wissik
Koloman Moser, Schiebetisch für das Toilettezimmer der Wohnung Eisler von Terramare, 1903 © MAK/Georg Mayer
Koloman Moser, Schreibschrank für Berta Waerndorfer, 1903 Ausführung: Wiener Werkstätte © MAK/Nathan Murrell

Koloman Moser

Anlässlich seines 100. Todesjahres würdigt das MAK Koloman Moser (1868–1918), einen der großen Visionäre der Wiener Moderne, mit einer der bisher umfangreichsten Personalen zu seinem vielfältigen Werk. Die MAK-Ausstellung KOLOMAN MOSER. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann taucht tief in das Œuvre des Ausnahmekünstlers ein und zeigt auf, wie entscheidend Moser die Suche nach einer neuen, modernen Formensprache in Wien um 1900 mitgeprägt hat. Viele der rund 600 Exponate, großteils aus der MAK-Sammlung, werden erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Chronologisch aufgebaut, lässt die MAK-Schau jede Etappe von Mosers ungewöhnlichem Werdegang Revue passieren: vom Maler zum Allround-Gestalter und schließlich wieder zurück zur Malerei.
Bis heute übt sein Gesamtwerk eine nachhaltige Faszination aus. Als Universalkünstler beherrscht Moser die Disziplinen Malerei, Grafik, Kunstgewerbe und Innenraumgestaltung ebenso wie Mode und Bühnenbild. Das von der Wiener Secession propagierte Gesamtkunstwerk lebt Moser in beeindruckender Weise vor. Er gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Wiener Moderne, als einer der einflussreichsten Künstler des Wiener Jugendstils und zählt neben Gustav Klimt und Josef Hoffmann zu den führenden Künstlerpersönlichkeiten des Wiener Kunstfrühlings.
In fünf Kapiteln kontextualisiert die von Christian Witt-Dörring, Gastkurator, und Elisabeth Schmuttermeier, Kustodin MAK-Sammlung Metall und Wiener-Werkstätte- Archiv, kuratierte MAK-Ausstellung Mosers Werk vor dem Hintergrund der kunsttheoretischen Entwicklung in Wien von 1860 bis 1918.
Unter dem Titel „Wien als Bühne der Künste“ widmet sich das einleitende Kapitel der Ausstellung dem Umfeld, das den jungen Moser prägt. Wien erlebt von 1860 bis 1890 eine rasante gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung. Ein erstarktes Großbürgertum ermöglicht den Künsten neue Betätigungsfelder. Moser wächst mit einer dynamischen Künstlergeneration heran, die auf eine hochwertige Tradition aufbauen kann. Prägend für Moser ist insbesondere der Gesamtgestaltungsanspruch des Historismus, der Architektur, Malerei und Bildhauerei bei der Realisierung von Ausstattungsprojekten an einen Tisch holt. Werke unter anderem von Hans Makart und der Wiener Künstler-Compagnie (Franz Matsch, Gustav und Ernst Klimt) stehen zum Auftakt der MAK-Ausstellung neben frühen, noch ganz dem Naturalismus verschriebenen Ölbildern und grafischen Arbeiten Koloman Mosers.
Das zweite Kapitel „Die Einheit von Form und Funktion“ (1889–1895) widmet sichdem Architekten und „Vater der Moderne“ Otto Wagner sowie seiner prägenden Rolle für Mosers Werdegang. Wagner kritisiert den Einsatz historischer Stile und prägt den sogenannten Nutzstil. Die Einheit von Form und Funktion – „form follows function“ – wird zum Credo der Moderne. Wagners Ideen üben großen Einfluss auf die unter anderen beteiligten Gründungsmitglieder der Secession Gustav Klimt, Koloman Moser, Carl Moll, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich aus. Wagner ist es auch, der Moser gemeinsam mit Josef Hoffmann für eine Professur an der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie vorschlägt. Letztendlich orientieren sich die Secessionisten allerdings an der Arts and Crafts-Bewegung, die der Realisierung der künstlerischen Idee den Vorrang vor der Funktion gibt.
„Koloman Mosers frühe Jahre“ (1886–1896), das dritte Ausstellungskapitel, zeigt den jungen Moser als freischaffenden Künstler. Um sein Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule (1893–1895) bei Franz Matsch finanzieren zu können, betätigt sich Moser bereits ab 1888 intensiv als Illustrator für Bücher und Zeitschriften. Mit jungen Künstlerkollegen, die mit der dem Naturalismus verschriebenen Wiener Kunstszene zunehmend unzufrieden sind, schließt er sich zum Siebener-Club zusammen, aus dem später die Secession hervorgeht. Eine Zeichnung Gustav Klimts zur Allegorie der Skulptur, die er für Martin Gerlachs Vorlagenwerk für Kunstgewerbetreibende Gerlach’s Allegorien. Neue Folge angefertigt hat, inspiriert Moser zu einem neuen, kurvilinearen Ausdruck, aus dem er schließlich unter Einfluss der japanischen Kunst die sogenannte Wiener Flächenkunst entwickelt.
Das vierte Kapitel „Die Einheit der Künste“ zeigt Moser als Gründungsmitglied der Secession und Universalkünstler. Inspiriert vom Konzept des Gesamtkunstwerks der Secession widmet sich Moser nun ausschließlich der Ausstellungs-, Bühnen- und Innenraumgestaltung sowie der Mode. In Zusammenarbeit mit Josef Hoffmann entstehen Innenraumkonzepte, die als Wiener Raumkunst international bekannt werden. Ein berühmtes Beispiel ist die von Künstlern gestaltete Einrichtung des Palais für den Industriellen Nikolaus Dumba. Hans Makart stattet das Arbeitszimmer (1871–1873) aus, Gustav Klimt den Musiksalon und Franz Matsch das Speisezimmer (1897/98).

Um 1900 kommt es zu einer markanten stilistischen Zäsur. Ein flächiger, geometrisch reduzierter Ausdruck dominiert nun Mosers Entwürfe, der Quadratdekor wird zu einem seiner Markenzeichen. Der sogenannte Wiener Stil ist geboren. Gemeinsam mit Josef Hoffmann und dem Mäzen Fritz Waerndorfer gründet Koloman Moser schließlich die Wiener Werkstätte (1903), die die kompromisslose Umsetzung des Gesamtkunstwerks ermöglicht. Als ein Höhepunkt der Ausstellung entführt dieser Ausstellungsbereich in die beeindruckende Fülle von in der Wiener Werkstätte entstandenen, zeitlos schönen Innenraumgestaltungen, Möbeln, Metallgegenständen, Lederarbeiten und Schmuck.
Die zunehmende Abhängigkeit von einem kleinen Kreis von Mäzenen veranlasst Moser im Jahr 1907 zum Austritt aus der Wiener Werkstätte. Moser startet einen neuen Abschnitt in seiner künstlerischen Laufbahn und widmet sich bis an sein Lebensende 1918 fast ausschließlich der Malerei. Das letzte Ausstellungskapitel „Abschied von der Einheit der Künste“ gibt einen Überblick über Mosers malerisches Spätwerk, mit dem eran den Ausgangspunkt seines Schaffens zurückkehrt. Gleichsam als roter Faden begleitet eine reich illustrierte Chronologie zu Mosers Schaffen durch die Ausstellung.

03. Dezember 2018
Autor: Unknown